Tourtagebuch: Tag 4. Sziliget – Nagykanizsa (92,2 km)
Der Abschied von Sziliget fällt uns schwer, aber wir haben das Gefühl, dringend die Grenze erreichen zu müssen, um einigermaßen ruhig schlafen zu können. Gen 12 Uhr brechen wir auf, nicht ohne noch eine weitere Flasche Wein (diesmal gegen Bezahlung) mitzunehmen. Aus der Überlegung, mittels Fähre ans andere Ufer zu fahren wird nichts, da keine passende Fähre auffindbar ist. Auch hier gilt wieder das Nachsaison-Paradigma.
Folglich müssen wir das untere, westliche Ende des Balaton umrunden. Obwohl wir aus der Ferne besehen das Gefühl haben, dass dies ca. 6 Stunden dauern wird, geht letztlich alles viel schneller. Plötzlich stehen wir am Fluss Zala und müssen uns entscheiden, ob wir einen Riesenumweg fahren oder uns erstmals auf eine viel befahrene (gelbe) Hauptstraße “76″ wechseln, was uns viel Zeit ersparen würde. Inmitten der Flussidylle donnern die LKW an uns vorbei und wir grübeln etwas. Kurz danach kommt ein Renter auf dem Rad vorbei, den wir kurzerhand auf die Sachlage ansprechen. Zufälligerweise ist er ein seit Jahren in Ungarn lebender Deutscher und sein Hobby ist Rad fahren. Deswegen erhalten wir von ihm die Information, dass es keine andere Strecke als jene gelbe gäbe und sie fahrbar sein, sofern man vorsichtig sei.
Also satteln wir auf und fahren die ca. sieben Kilometer, wobei wir ständig von LKW und Reisebussen überholt werden. Weniger schlimm ist hierbei der Fakt, dass sie auf dieser Strecke unterwegs sind, beängstigend ist nur, mit welcher Geschwindigkeit sie das tun, es handelt sich um eine gewöhnliche Überlandstraße.
Im hässlichen Ort Sarmellek machen wir nach dieser ersten Fernverkehrserfahrung erstmal eine längere Pause in einer schäbigen wie auch teuren Pizzeria. Wobei “länger” im Reisetempo ca. 1 Stunde bedeutet.
Über schöne wenngleich bergige Nebenstraßen erreichen wir Nagykanizsa. Unterwegs wundern wir uns über die herausgeputzten Dörfchen und mancherorts große Hotelkomplexe, genießen aber auch die wunderschöne vorgelagerte Seelandschaft Balaton-Kis, die sich ganz in der Nähe des Balaton befindet und in der nur vereinzelt Touristen und Angler anzutreffen sind.
Wie immer spät gegen 20 Uhr erreichen wir unser Ziel. Nagykanizsa hinterlässt keinen bleibenden Eindruck. Bei der Einfahrt in die Stadt aus nördlicher Richtung wirken die zahlreichen baufälligen Hochhäuser abweisend. Einigermaßen ratlos umkurven wir den Markt, der gerade abgebaut wird, suchen die Touristeninfo, die allerdings bereits geschlossen hat und begeben uns mal wieder auf die Suche nach dem Campingplatz, den wir nach einiger Fragerei (Tankstelle!) schließlich finden. Unterwegs liegt auch noch ein Penny Markt, wie praktisch.
Klug wie wir sind, hängen wir alle unsere stinkenden Klamotten raus. Am nächsten Morgen jedoch fängt es an zu regnen…Nachts wache ich auf, weil hinter dem Zaun hinter dem Zelt irgendein wildes Tier ein anderes wildes Tier gefangen hat und selbiges ca. 10 Minuten (kein Scherz) lang einen Todeskampf vollführt und entsprechende Geräusche macht. Abgesehen davon relative Idylle, nur ganz wenige andere Camper.
Wohnmobilinhaber aus Norwegen spreche ich auf die Wetterlage an, sie erklären mir, es stünde europaweit eine relativ feuchte und kühle Phase bevor, was sich bewahrheitet. Nett auch, dass ich ihnen erklären kann, ich sei schonmal in Norwegen gewesen, immer gut, um ins Gespräch zu kommen.
Zu empfehlen: Nyirffás Camping (Familienbetrieb kurz vor der Grenze)
92,2 km, knapp fünf Stunden reine Fahrzeit
Unterwegs steht in einem idyllischen Ort diese selbstredend idyllische Kirche, die von alten Frauen besucht wird
Nach mehr als 92 km radeln gönnen wir uns die zweite Flasche Wein + die obligatorischen Nudeln
Meta
Titel: Tourtagebuch: Tag 4. Sziliget – Nagykanizsa (92,2 km)
- Veröffentlicht:
- Dienstag, 29.09.09 um 21:02 Uhr
- Kategorie:
- Allgemeines, Tour de Four
- Autor:
- tom
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