Tourtagebuch: Tag 5. Nagykanizsa – Varadzin (75 km)
Wegen der erwähnten Regenschauer verzögert sich unsere Abreise wieder auf 14 Uhr. Es hat 19° C und es regnet immer wieder. Nicht so angenehm. Mir fällt zum ersten Mal auf, dass ich keine vernünftige Regenjacke dabei habe, sondern nur eine 10 Euro-Regenjacke vom Adidas Second Hand Store, die das Wasser selbstredend trotz neuer Imprägnierung nicht abhält.
Nach kurzer Zeit erreichen wir über Nebenstraßen und durch allerlei sonderbare Dörfer bereits die Grenze nach Kroatien. Da der ganze Hauptverkehr über die neue Autobahn läuft, können wir ganz gemütlich auf der ehemaligen Hauptverkehrsstraße “7″ über die Grenze radeln, wo man uns nach kurzem Blick auf den Pass freundlich durchwinkt. Angesichts anderer seltsam an der Grenze herumirrender (oder festsitzender?) Männer mit Dreitagebart fällt mir erstmals auf, welches Privileg ein deutscher Pass darstellt.
Kurz hinter der Grenze türmen sich gigantische Wolkenberge am Himmel und es sieht nach einem katastrophalen Gewitter aus. Da die Straße für Autos gebaut wurde, führt sie als erstes auf die Autobahn, was zu einer kurzen Verwirrung bei uns führt. Nach einigem Herumgegurke finden wir eine Nebenstraße die rechtzeitig vor dem Wolkenbruch zu einer Autobahnunterführung ohne Straßenbelag führt, wo wir uns erstmal unterstellen.
Mir ist arschkalt und ich ziehe ungefähr alle Klamotten an, die ich dabei habe.
Nach einiger Zeit können wir weiterfahren und kaum richtig in Kroatien angekommen stellen wir eine dramatische Verbesserung des Straßenuntergrundes fest. In irgendeinem kleinen Dorf, in dem die Hühner krähen, treffen wir auf einen alten Kroaten, der uns erklärt, er sei gestern aus Hamburg gekommen, wo er seit 20 Jahren arbeite und der uns einen Schnaps in seiner illegalen Kneipe anbietet. Leider lehnen wir dankend ab, aber die Zeit drängt einfach zu sehr. Er warnt uns noch vor den vor dem Ort hausenden Zigeunern (sic!) und erklärt uns den Weg.
Entlang eines im Bau befindlichen Deiches erreichen wir um 20 Uhr schließlich die ehemalige Hauptstadt Varadzin. Während wir durch die Altstadt irren bricht ein extrem heftiges Gewitter aus, wir stellen uns unter und beobachten eine Stunde lang den Starkregen, wobei wir uns an eine Dose Bier klammern, ehe wir uns von total freundlichen Einheimischen zu einem Hotel geleiten lassen. Hier können wir endlich unsere Wäsche aufhängen und die Fahrräder dürfen wir in die Vorratskammer stellen. Am nächsten Morgen gibt es zudem ein richtig gutes Frühstück, und das für zusammen ca. 46 Euro. Zum Abendessen lassen wir uns einen Döner vor dem Hotel raus, wo uns ein Kunde freundlich darauf hinweist, wir könnten diesen doch auch mit “Kartoffel” essen. Haha.

Früh am morgen kriechen wir aus diesem Zelt. Hinter dem Zaun stehen rechts - hier nicht sichtbar - erstens gruselige verlassene Schuppen und zweitens wohnen und leben dort - zumindest nachts - miese Monster.

Muss reichen: Tasche links, Tasche rechts. Zelt, Schlafsack, Fronttasche.

Letenye, die Grenzstadt. Wegen der neuen Autobahn, die parallel verläuft, ist hier nicht mehr viel los.

Reisefreiheit ahoi!

Die Aussicht, über diese Berge fahren zu müssen, kommt uns erstmal etwas seltsam vor.

Schön, wenn man eine gute Regenjacke hat!
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75 km
Meta
Titel: Tourtagebuch: Tag 5. Nagykanizsa – Varadzin (75 km)
- Veröffentlicht:
- Dienstag, 29.09.09 um 21:38 Uhr
- Kategorie:
- Allgemeines, Tour de Four
- Autor:
- tom
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