Tourtagebuch: Tag 11. Lukovo – Insel Pag (65 km)

Der nächste Tag präsentiert sich sehr freundlich, die Sonne scheint, die Bucht von Lukovo liegt ruhig und wir haben gut in einem ordentlichen Bett geschlafen. Oma Anna serviert und ein rustikales Frühstück bestehend aus Weißbrot und fingerdick geschnittener Salami oder wahlweise Marmelade.
Sie treibt uns zu tüchtigem Essen an, denn irgendwie macht sie uns trotz mangelnder Konsenssprache klar, dass wir für den 300-Meter-Aufstieg bis zur Küstenstraße ordentlich Kalorien gebrauchen können.
Schließlich bezahlen wir rund 200 Kuna (25-27 Euro) für die Übernachtung. Ich muss meinen Reifen nochmal flicken, da wieder Luft verloren ging. Ein wenig schauen wir uns noch die schöne Bucht an und streifen durch Lukovo. Dann machen wir uns an die steile Auffahrt (15%) zur Küstenstraße. Das Ganze dauert erstaunlicherweise weit weniger lange als gedacht: nach gerade mal einer halben Stunde sind wir oben. Wir folgen der Adria magistrale, die weiter ansteigt und gelegentlich wieder abfällt. Der Borawind nervt uns von der Bergseite her. All das macht Fortkommen nicht leicht.

Das Fahren auf der in diesem Abschnitt eher steilen Küstenstraße wird uns zu anstrengend und so beschließen wir kurzerhand, nach einigen Kilometern per Fähre auf die Insel Pag überzusetzen. Zusammen mit allerhand anderen Radlern, Motorrad- und Autofahrern lassen wir uns übersetzen.
Vom Anlegeplatz aus überrascht uns die Insel erstmal mit einem sehr steilen Anstieg bis auf ca. 300 Höhenmeter, die wir mit stoischer Ruhe und etwas Verzweiflung nehmen. Oben angekommen folgt eine sehr gerade und sehr lange, sanft abfallende Abfahrt, auf der ich ohne viel Zutun plötzlich 72 Stundenkilometer schnell bin. Mit dem Rad!! Während ich so dahinsause hoffe ich, dass meine Laufräder mit den entstehenden Kräften zurecht kommen. Daphne wird bei der Abfahrt von einer seitlichen Windböe erfasst und kriegt einen ordentlichen Schreck, es passiert aber nichts weiter.
Im Zentrum der Insel sind wir auch plötzlich mitten im Massentourismus angekommen und etwas irritiert. Riesensupermärkte, überall Jugendliche in Shorts, Leute, die in ihre Autos kistenweise Bier einladen. Es ist hier merklich wärmer als auf der Küstenstraße, annährend dreißig Grad und es herrscht Windstille. Wir kaufen das Notwendigste ein und fahren zu einem riesen Campingplatz weiter.
Nach elf Tagen schaffen wir es endlich, bei Sonnenuntergang auch mal tatsächlich am Strand zu sitzen.
Insgesamt gefällt es uns hier aber wegen der Vielzahl anderer Urlauber aber nicht so gut.
Der Bora folgt uns. Nachts beginnt er plötzlich heftigst am Zelt zu zerren und wir hören, dass auch anderer Camper wach werden. Am nächsten Morgen verfolge ich die Unterhaltung der deutschen Nachbarin, die ihrer Freundin erklärt, so früh im Jahr habe sie den Borawind so heftig noch nicht erlebt. Wir packen widerwillig zusammen und schwingen uns wieder aufs Rad.


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