Tourtagebuch: Tag 12. Insel Pag – Zadar (68 km)
Von Camp Simuni aus nehmen wir die einzigen Straße Richtung Pag Stadt. Die Route dahin ist nicht weiter sehenswert. Zunächst geht es durch weitgehend vegetationslose Steinwüsten, am Wegesrand tausende Plastiktüten, die permanent über die Insel geweht werden und jede Menge Stahlschrott, darunter viele Schrottautos. Pag hat offensichtlich ein Müllentsorgungsproblem. Nach einem ätzend langen Anstieg stehen wir ca. 250 m oberhalb der Stadt Pag und müssen alles wieder runter. Nun sind wir auf der anderen, windzugewandten Seite der Insel und bekommen die volle Breitseite ab.
Mir fehlt irgendwie vollkommen die Energie und ich kämpfe mich voran. Daphne hingegen radelt ganz wacker. Fiel mir schon mehrfach auf: ist bei einem der Akku total leer, läufts beim anderen hingegen ganz gut. Immerhin kann man sich dann gegenseitig aufbauen. Es herrscht fast kein Verkehr, aber die Strecke ist uninteressant und der Wind wird immer heftiger. Auf der südöstlichen Seite der Insel gibt es eine Landverbindung per Brücke, über die wir Richtung Zadar weiterfahren wollen. Es ist nicht zu fassen, aber die Brücke liegt natürlich auf einem Berg auf der Insel, den wir nun wieder mühevoll hochfahren müssen.
Der Wind wird so heftig, dass es mich drei- oder viermal nach rechts in den Straßengraben wegdrückt. Als wir die Brücke erreichen, sehen wir erleichtert, dass sie noch nicht gesperrt ist. Später im Jahr darf die Brücke wegen der heftigen Winde z.T. nicht betreten/befahren werden. Als wir endlich wieder festes Land unter den Rädern haben, nimmt der Wind ab und wir biegen an der einzigen Kreuzung nach rechts ab, um auf Zadar zuzufahren.
Mit Zadar kommen wir erstmal gar nicht klar – plötzlich so eine große Stadt, viele Menschen und Autos, wir jedoch sind immer noch recht zivilisationsentwöhnt. Beim Lidl holen wir bei einbrechender Dunkelheit die obligatorischen Nudeln und finden bald den hässlichen Campingplatz “Borik”, wo uns die dicke Chefin auf deutsch erklärt, wie’s läuft.
Die Sanitäranlagen wurden scheins zuletzt 1927 oder 1928 geputzt und der ganze Platz verbreitet bleiernen Nachsaison-Flair. Vereinzelte andere Camper auf dem Riesenplatz haben genauso viel Angst vor uns wie wir von ihnen und halten gebührenden Abstand. Ein spinnerter Radreiseopa mit langen zotteligen Haaren sucht stundenlang in der Dunkelheit und fuchtelt mit der Lampe. Trotz akuter Angst vor Diebstahl machen wir uns noch auf den Weg Richtung Meer und finden eine Pizzeria, die uns passables Essen und leckeres Bier serviert.
Am nächsten Morgen radelt doch tatsächlich ein Bekannter an uns vorbei! Der stark bepackte Superradler mit den Hunden aus Bonn hat es also doch auch nach Zadar geschafft! Er und seine Frau erzählen uns, dass die Fahrt auf der A1 tatsächlich höllenmäßig war und sie von einem kroatischen Autofahrer genötigt und in den Straßengraben gedrängt worden seien. Ich erzähle ihnen hingegen von unserer wundervollen, quasi autofreien Überfahrt durch den Velebit-Nationalpark und beneide sie gleichzeitig darum, dass sie dafür an den Plitvicer Seen Halt machen konnten. Dafür mussten wir eben nicht Bundesstaße fahren. Ihre Reise soll sie weiter durch Montenegro, Albanien und schließlich bis nach Athen führen. Wir wünschen viel Glück und verabschieden uns.
Meta
Titel: Tourtagebuch: Tag 12. Insel Pag – Zadar (68 km)
- Veröffentlicht:
- Donnerstag, 14.01.10 um 19:45 Uhr
- Kategorie:
- Allgemeines, Tour de Four
- Autor:
- tom
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